Wenn zwei kleine Leben meinen Blick schärfen

Es gibt zwei wunderbare kleine Menschen in meinem Leben, die mich tagtäglich daran erinnern, wie viel sich in den letzten Jahren verändert hat. Hierbei geht es nicht um die großen einschneidenden Änderungen, die das Vatersein naturgemäß mit sich bringt, sondern um die leisen Verschiebungen, die erst sichtbar werden, wenn man innehält.

Früher konnte ich mich problemlos in meinen Kopf zurückziehen – manchmal so weit, dass ich mich darin verlor. Heute ist das in dieser Ausprägung kaum noch möglich. Und das ist gut so.

Kinder stellen eine andere Art von Realität her. Eine, die keinen Raum lässt für endlose Grübeleien oder gedankliche Monologe. Sie holen mich heraus aus Schleifen, die sich früher verselbstständigt haben. Das schützt mich – und manchmal auch das Schreiben.

Denn wenn ich schreibe, bewege ich mich oft in inneren Räumen, die eng werden können. Orte, an denen Dunkelheit nicht nur ein erzählerisches Motiv darstellt, sondern auch ein Zustand, der mir vertraut ist.

Seit meine Kinder da sind, hat diese Dunkelheit ihren Platz behalten, aber ihre Form verändert. Sie ist nicht verschwunden. Aber sie ist nicht mehr allmächtig.

Kinder verändern Prioritäten. Sie verschieben Grenzen. Und sie machen sehr deutlich, was wirklich Gewicht hat und was nur Lärm ist. Diese Klarheit hat Einfluss auf meine Arbeit. Nicht, indem sie sie aufhellt, sondern indem sie ihr Fokus gibt.

Heute schreibe ich bewusster. Konzentrierter. Manchmal auch härter. Weil ich weniger Zeit habe, aber mehr Grund.

Es geht nicht darum, meinen Kindern etwas zu beweisen. Auch nicht darum, für sie zu schreiben. Sondern darum, dass ihr bloßes Dasein mich zwingt, präziser mit meiner Energie umzugehen. Ich verschwende weniger. Weder Gedanken noch Stunden.

Die Verletzlichkeit, die Elternschaft mit sich bringt, ist eine seltsame Kombination aus Stärke und Angst. Beides findet seinen Weg in meine Texte. Nicht zwingend direkt, aber sehr wohl als Unterströmung. Als Bewusstsein dafür, dass Leben fragil ist – und dass genau darin Bedeutung liegt.

Vielleicht ist das der größte Einfluss, den meine Kinder auf mein Schreiben haben: Nicht, dass ich über sie schreibe, sondern dass ich durch sie klarer sehe. Mich. Die Welt. Das, was bleibt, wenn man alles Überflüssige abzieht.

Dadurch wird meine Prosa nicht heller. Aber sie wird ehrlicher.