Es gibt Menschen, die schreiben, um zu veröffentlichen. Menschen, die schreiben, um Erfolg zu haben. Menschen, die schreiben, um gelesen zu werden.
Ich verstehe das. All das ist berechtigt.
Aber bei ehrlicher Betrachtung hat das Schreiben für mich einen gänzlich anderen, wesentlich intimeren Anreiz: Der wichtigste Teil des Schreibens entsteht an einem Ort, den kein Mensch sieht. Dort, wo kein Applaus hinkommt. Dort, wo Zahlen keine Rolle spielen. Dort, wo Literatur beginnt, bevor sie jemand Literatur nennt.
Ich spüre diesen Wert besonders, wenn ich an einem Text arbeite, der mich fordert, der mich leise an den Rand stellt, der mich zwingt, hinzusehen. In solchen Momenten existiert kein Publikum. Kein Markt. Keine Erwartungen. Nur das Ringen mit einer Wahrheit, die sich formt, weil ich ihr Raum gebe.
Und genau dieses Ringen ist es, das mir zeigt: Das Schreiben ist größer als sein Ergebnis.
Nicht, weil Erfolg unwichtig wäre. Sondern weil Erfolg gar nicht erfassen kann, was Schreiben wirklich mit einem macht.
Erfolg misst Sichtbarkeit. Schreiben misst Tiefe.
Erfolg ist ein Echo. Schreiben ist eine Stimme.
Ich schreibe nicht, weil ich damit rechnen kann, dass ein Text etwas „bringt“. Ich schreibe, weil die Arbeit an einem Text mich verändert. Weil sie mir zeigt, was in mir noch unfertig ist, was ich loslassen muss, welche Erinnerungen noch einen Abdruck hinterlassen, welche Schatten ich nicht ignorieren kann.
Ein veröffentlichter Text hat womöglich einen Platz in der Welt. Aber ein geschriebener Text hat einen Platz in mir.
Und dieser Platz ist — auf eine Weise, die schwer in Worte zu fassen ist — wertvoller als jede Zahl unter einem Post, wertvoller als jede Rangliste, wertvoller als jedes finanzielle Ergebnis.
Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass Anerkennung mir nichts bedeutet. Natürlich ist es erfüllend, gelesen zu werden. Natürlich wünsche ich mir, dass meine Texte berühren.
Aber am Ende des Tages ist es nie der Erfolg, der mich an den Schreibtisch zurückführt. Es ist dieser eine Satz, der nach mir greift. Dieser eine Gedanke, der sich nicht abschütteln lässt. Dieser leise Druck im Inneren, der sagt: Schreib es auf. Finde heraus, was dahintersteckt. Siehe, was es mit dir macht.
Vielleicht ist das der eigentliche Wert von Literatur: Nicht, dass sie gesehen wird, sondern dass sie zuerst in uns entsteht — und uns verändert, lange bevor jemand anderes sie liest.

